10.00 Uhr - 10.15 Uhr
Einführung: Weniger Kinder mit weniger Chancen - hat Forschung für Kinder in Deutschland eine Zukunft?
Prof. Dr. St. Burdach
10.15 Uhr - 10.40 Uhr
Wann sterben die Bayern aus? Die demographische Zeitbombe tickt!!!
Priv. Doz. Dr. Th. Fischer, Frau Dr. S. Pildner von Steinburg
10.40 Uhr - 11.05 Uhr
Ethische Überlegungen bei frühem Ultraschallscreening in der Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbruch.
Prof. Dr. K. T. M. Schneider
Beim frühen Screening in der Schwangerschaft existieren heutzutage bereits Methoden, die nur durch Ultraschall und Blutentnahme wichtige Informationen über die spätere Prognose des Feten liefern (Ausschluss von chromosomalen Störungen, Skelettfehlbildungen, Herzfehlbildungen). Gleichzeitig ist seitens der Eltern die Erwartungshaltung hoch bezüglich einer völlig ungestörten weiteren Entwicklung des Feten. Große Schwierigkeiten beinhaltet die Erklärung individuellern Hinweiszeichen, die zunächst keine Diagnosen darstellen, sondern nur Risikohinweise geben und evtl. weitere invasive Abklärung durch Fruchtwasserpunktion oder Chorionzottenbiopsie erforderlich machen. Die ausführliche Beratung vor pränataler Diagnostik ist deswegen eine der wichtigsten Aufgaben, die verhindern soll, dass einerseits Ängste entstehen, andererseits aber auch die Interventionsrate senken soll. Ziel der Pränataldiagnostik ist - soweit möglich -Risikoerkennung, -Minimierung und sofern möglich auch Heilung. Der Schwangerschaftsabbruch steht erst am Ende der Überlegungen. Bei diesem hat der Gesetzgeber neue Rahmenbedingungen geschaffen. Die frühe kindliche Indikation (embryopathische) entfällt und wird zur mütterlichen d. h. psychischen Indikation (nicht Zumutbarkeit aufgrund einer schwerwiegenden kindlichen Diagnose die Schwangerschaft fortzusetzen). Damit ist auch die frühere zeitliche Grenze entfallen und Schwangerschaften bei denen Feten mit schwerer Behinderung diagnostiziert werden können auch im Bereich der Überlebensfähigkeit abgebrochen werden. Die damit verbundenen erheblichen ethischen Probleme sowohl für die Eltern als auch für die Ärzte werden ausführlich diskutiert.
11.05 Uhr bis 11:30 Uhr - Kaffeepause -
11.30 Uhr - 11.50 Uhr
Tumortherapie: Auf den Vergleich kommt es an.
Frau Dr. M. Nathrath
Von der Maus zum Mensch: Vergleichende Tumorforschung am Beispiel eines bösartigen Knochentumors, des Osteosarkoms (Dr. M. Nathrath):
Viele bösartige Erkrankungen zeigen in ihrer Erbsubstanz zahlreiche Veränderungen. Die frühen Veränderungen, die für die Tumorentstehung und Streuung notwendig sind, sind nicht ohne weiteres von späten Veränderungen zu unterscheiden. Für die Einordnung von für die Tumorentstehung wichtigen frühen Veränderungen können Tumormodelle in der Maus hilfreich sein und dazu beitragen, Zielstrukturen für gerichtete Therapieformen zu identifizieren.
11.50 Uhr - 12.15 Uhr
Mit dem Genchip zur maßgeschneiderten Krebstherapie?
Prof. Dr. St. Burdach
Identifikation von Zielstrukturen für eine selektive Tumortherapie am Beispiel eines bösartigen Knochentumors, des Ewingtumors (Prof. Dr. St. Burdach): Mittels neuer Technologien wie Genchip-Analysen, also Analysen der Genexpression des gesamten Erbguts des Tumors durch eine einzige Untersuchung, sollen Zielstrukturen für gezielte Therapien wie Immuntherapien oder Antikörper-basierte Therapieformen identifiziert werden.
12.15 Uhr - 12.35 Uhr
Kleine Riesen: Ein Palliativprojekt.
Frau Dr. M. Nathrath
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen: Dies gilt auch für die Palliativmedizin, in der bei Kindern andere Wege beschritten werden müssen als bei Erwachsenen mit lebensbegrenzenden Tumorerkrankungen: Unterschiede aufgezeigt am Beispiel eines Projektes für Palliativmedizin bei Kindern.
12.35 Uhr - 13.00 Uhr
Hoffnungsschimmer: Neue Therapieansätze bei Kindern mit angeborenen Stoffwechselerkrankungen im Stoffwechselzentrum München Schwabing.
Prof. Dr. B. F. Pontz, Priv. Doz. Dr. P. Freisinger
Angeborene Stoffwechselerkrankungen sind erblich bedingte, sehr heterogene Störungen mit häufig schweren, z.T. lebensbedrohlichen Symptomen. Dabei können alle Nährstoffgruppen oder Zellbestandteile (Organellen) betroffen sein. Die Gruppe der Stoffwechselerkrankungen stellt daher für die behandelnden Ärzte eine besondere Herausforderung dar. Eine frühe Diagnose und rasche und effektive Behandlung ist oft entscheidend für die weitere Entwicklung und Prognose des Kindes. Etwa jedes 500ste Kind wird mit einer Stoffwechselerkrankung geboren. Dies bedeutet, das in München jährlich ca. 20 Kinder neu hinzukommen, in Bayern etwa 200 Kinder jährlich. Nur ein Teil der Stoffwechselerkrankungen wird durch Früherkennung (Neugeborenen-Screening) erfasst und kann so frühzeitig behandelt werden. Die übrigen Erkrankungen werden erst durch aufwändige gezielte Untersuchungen aufgedeckt.
Im Stoffwechselzentrum haben sich Ärzte und nicht-ärztliche Fachleute verschiedener Disziplinen zusammengefunden, um ein Optimum an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten zu schaffen. Besondere Schwerpunkte sind lysosomale Erkrankungen, Defekte des Aminosäure-, Fettsäuremetabolismus, Erkrankungen des Knochenstoffwechsels und des Energiestoffwechsels. Am Beispiel der lysosomalen Speichererkrankungen wird gezeigt, dass ein selektives Screening zur Früherkennung möglich und sinnvoll ist. Ferner wird dargestellt, welche unterschiedlichen Therapieoptionen bis hin zur Enzymersatztherapie oder Stammzelltransplantation es heute für diese Gruppe von Erkrankungen gibt und an unserer Klinik durchgeführt werden.
13.00 Uhr bis 14:00 Uhr - Mittagspause -
14.00 Uhr - 14.20 Uhr
Kann man den Diabetes mellitus im Kindesalter verhindern?
Dr. W. Rabl
14.20 Uhr - 14.40 Uhr
Übergewicht bei Kindern; rund ist nicht gesund!
Prof. Dr. C. P. Bauer
Die Anzahl übergewichtiger Kinder steigt und es ist davon auszugehen, dass derzeit jedes 7. Kind übergewichtig ist. Leider verlieren über 70% dieser Kinder ihr Übergewicht im Laufe der Entwicklung nicht und bleiben auch als Erwachsene übergewichtig. Die Folgen sind häufig chronische Gesundheitsstörungen wie z. B. Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, orthopädische Erkrankungen und anderes. Die Kinderklinik Schwabing der TUM bietet deshalb in Zusammenarbeit mit der Fachklinik Gaißach der LVA Oberbayern ein Programm zur Behandlung adipöser Kinder und Jugendlicher an. Wesentliche Inhalte dieses Programms sind Ernährungsberatung, psychologische und medizinische Betreuung sowie Sport und ggf. Physiotherapie.
14.40 Uhr - 15.00 Uhr
Magersucht Therapie und Forschung.
Frau Dr. S. Rohde
Noch immer wird der Anteil an chronischen Verläufen bis ins Erwachsenenalter bei Patienten mit Anorexia nervosa mit ca. 40-60% angegeben. In den letzten Jahren hat die Zahl der Neuerkrankungen an Anorexia nervosa und Bulimia nervosa sowohl bei weiblichen, als auch bei männlichen Jugendlichen zugenommen. Forschung ist gerade bei psychischen und psychosomatischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter wichtig, um Prävention und bessere Therapiemöglichkeiten zu entwickeln. Der Vortrag gibt einen Überblick über die wichtigsten Forschungsthemen bei Anorexia nervosa. Die daraus resultierenden Erkenntnisse und Konsequenzen für die Behandlung werden dargestellt und hinterfragt. Darüber wird ein neues Therapiekonzept mit Studienansatz für die Behandlung jugendlicher Patienten mit schwerer Anorexia nervosa und Bulimia nervosa vorgestellt. Das Konzept kann auch im Erwachsenenbereich eingesetzt werden: SIMSTE - Schwabinger integratives multimodales systemisches Therapiekonzept bei Essstörungen.
15.00 Uhr - 15.20 Uhr
Forschungsauftrag "Allergie-Vorbeugung".
Dr. A. Grübl
Allergien und Asthma haben in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen und stellen eine große medizinische und gesundheitspolitische Herausforderung dar. Eine ungeheuer wichtige Aufgabe ist es daher, wirksame vorbeugende Strategien zur Vermeidung von Allergien und Asthma zu entwickeln. Ziel der primären Allergie-Vorbeugung ist es, Kinder von Anfang an vor der Entwicklung einer Allergie oder eines Asthma bronchiale zu schützen.
Ansätze, in das Geschehen der Allergieentstehung einzugreifen sind:
1) Vermeidung von Umweltfaktoren, welche Allergien fördern (z.B. Tabakrauch, Allergieauslöser).
2) Förderung von schützenden Faktoren, welche Allergien entgegenwirken (z.B. Stillen).
3) Eine frühzeitige Allergiediagnostik zur
. frühzeitigen Identifizierung von Kleinkindern mit erhöhtem Allergierisiko
. spezifischen Allergiebehandlung mit
. spezifischen Maßnahmen zur Allergenkarenz
. entsprechender Pharmakotherapie
. spezifische Immuntherapie
Wir forschen daran zusammen mit anderen Zentren u.a. im Rahmen der Multizentrische Interventionsstudie zum Einfluss der Säuglingsernährung auf die Allergieentwicklung (GINI Plus), der Multizentrische Allergiestudie (MAS) und einer Studie über den Einfluss von Verhaltensweisen, Lebensstil und Genetik auf die Entwicklung des Immunsystems im Kindesalter(LISA Plus, sowie einer Genetischen Multicenter-Studie in Kernfamilien mit atopischer Dermatitis (GENUFAD II/GENOM).
15.20 Uhr bis 16:00 Uhr - Kaffeepause
16.00 Uhr - 16.20 Uhr
Sport: Schutz für das jugendliche Herz.
Frau Prof. Dr. R. Oberhoffer, Prof. Dr. Hess, Prof. Dr. Michna
Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen an der Spitze der Todesursachen von Erwachsenen in den Industrieländern. Die Grundlagen hierfür werden bereits in der Kindheit geschaffen: mangelnde Bewegung und hyperkalorisches fettreiches Essen sind die wichtigsten Ursachen, die schon bei Kindern für verdickte und krankhaft veränderte Gefäße verantwortlich zeichnen. Ein Präventionsprogramm an Schulen kann dazu beitragen, das Bewusstsein von Kindern für diese Problematik zu schärfen und ihr Verhalten positiv zu verändern. Ansätze hierzu werden im Verbund mit dem Lehrstuhl für Gesundheitsförderung der TU München dargestellt.
16.20 Uhr - 16.40 Uhr
Wenn das Gehirn feuert. Forschung gegen die "Heilige Krankheit".
Priv. Doz. Dr. F. A. M. Baumeister
Epilepsien sind die häufigste neurologische Erkrankung. In Deutschland sind über 800 000 Patienten betroffen. Das Risiko im Laufe des Lebens an einer Epilepsie zu erkranken liegt zwischen 2 und 5%. Galten Epilepsien einst als Heilige Erkrankung sind sie in ihren Auswirkungen auf die Betroffenen alles andere als segensreich. Unbeeinflusst können Epilepsien nicht nur zur sozialen Stigmatisierung mit all ihren Konsequenzen führen sondern auch zu sekundären Auswirkungen auf die Gesundheit, wie z.B. geistige Behinderung insbesondere im Säuglings und Kindesalter.
In den letzten Jahrzehnten hat sich, aufbauend auf den Erkenntnissen der Grundlagen- und Klinischen-Forschung, die Behandlung der Epilepsien entscheidend verbessert. Zu nennen sind hier die Fortschritte in der Diagnostik, insbesondere der modernen Elektrophysiologie und der Bildgebung, ein verbessertes Klassifizierungssystem und neue Behandlungsmethoden. Letzteres umfasst nicht nur eine größere Palette an nebenwirkungsärmeren Präparaten für die antikonvulsive Therapie sondern auch die Fortschritte in der Epilepsiechirurgie und ergänzende Therapieoptionen wie beispielsweise Vagusnervstimmulator und ketogene Diät. Die Mehrzahl der Epilepsien lässt sich heutzutage bereits medikamentös erfolgreich behandeln und ermöglicht den Betroffenen ein relativ normales Leben. In ca. 20 % der Patienten gelingt es jedoch nicht mit Antikonvulsiva eine befriedigende Kontrolle der Anfallssituation zu erreichen. Bei fehlender Indikation für eine epilepsiechirurgische Behandlung bietet sich die ketogene Diät als effektive therapeutische Option an, mit einer Anfallsfreiheit bei 16%, eine Verminderung der Anfälle um 90% in 32% der Patienten und um über 50% in 56% der Patienten mit pharmakoresistenter Epilepsie. Bei der ketogenen Diät kommt es durch Veränderung der Nahrungszusammensetzung zu einer grundlegenden Umstellung des Energie-Stoffwechsels des Gehirns, von Glukose als Hauptquelle der Energiegewinnung auf Ketonkörper. Die ketogene Diät ist ein Schwerpunkt unserer klinischen Forschung in der Neuropädiatrie. Neben der Behandlung von pharmakoresistenten Epilepsien befassen wir uns mit der Anwendung der ketogenen Diät bei neurometabolischen Erkrankungen mit gestörtem Glukosestoffwechsel. Als komplexe Ernährungstherapie stellt die ketogene Diät besondere Anforderungen an die Patienten und deren Familien sowie das betreuende Team, bestehend aus Ärzten, Diätassistenten und Pflegepersonal. Ein Schwerpunkt der klinischen Forschung befasst sich daher auch mit der Therapie-Optimierung und der Entwicklung von Schulungskonzepten.
Unsere Erfahrungen mit der ketogenen Diät fanden Eingang in die Leitlinien zur Anwendung der ketogenen Diät im Kindesalter (AWMF-Leitlinien-Register Nr. 022/021; http://leitlinien.net/ oder hier).
16.40 Uhr - 17.00 Uhr
Innovationen in der Kinderchirurgie.
Dr. J. C. Lenz
Die Therapie der kindlichen Frakturen hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Durch die neuen Techniken, durch neue Materialien und durch die neue Infrastruktur (z.B. Kinderanästhesie) hat sich die Behandlung von der hauptsächlich konservativen zur mehr operativen Seite geneigt. Hier haben neue Forschungsergebnisse bahnbrechende Richtungen aufgezeigt. So sind durch immer kleiner werdende Eingriffe maximale Ergebnisse erzielt worden. Wo früher die Patienten wochenlang in Gips oder Extensionen im Krankenhaus lagen, können sie heute in wenigen Tagen das Krankenhaus wieder verlassen. Auch in der Therapie von Verbrennungen und Verbrühungen hat sich vieles verändert. Durch neue Wundbehandlungsmethoden ist es möglich geworden, das schwere Verbrennungstrauma zu minimieren. Hier hat die Forschung in diesem Bereich auch für kindgerechte Behandlung gesorgt.Die Therapie verschiedener Hauttumoren im Kindesalter wurde durch die mannigfaltigen Techniken der Lasermedizin vorangetrieben. Hier sind einige neue Vorstellungen durch Forschung entwickelt worden.





