Dipl.Phys. Joachim Müller-Deile
Leiter der Audiologischen Labors der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Kopf- und Halschirurgie, Phoniatrie und Pädaudiologie der Christian Albrechts Universität zu Kiel
Ist es nicht beeindruckend welche Vielfalt an Geräuschen, Klängen, Melodien und Tönen wir wahrnehmen können? Vom Summen einer Mücke bis zum Dröhnen eines Düsenjägers, vom tiefen Brummen einer Bassgeige zum hellen Zirpen einer Grille.
Mit unseren Ohren hören wir den Schall, den die Luft zu uns trägt. Durch das Gehör werden aus Schallwellen Hörempfindungen, Sprache und Musik, aber auch Lärm.
Die Sprache ist der Träger der zwischenmenschlichen Kontakte und unsere Gesellschaft verlässt sich überwiegend auf die sprachliche, auditiv-verbale Kommunikation. Um die gesprochenen Informationen aufnehmen zu können, benötigen wir eine unbeeinträchtigte Hörfähigkeit. Ein intaktes Gehör ist auch die Voraussetzung für eine normale Sprachentwicklung bei kleinen Kindern.
Immer mehr Jugendliche in Deutschland können nicht mehr gut hören. Nach neuesten Angaben leidet bereits jeder vierte Jugendliche an nicht heilbaren Hörschädigungen. Der Besuch eines Rockkonzerts oder in der Disco macht Spaß, birgt aber auch eine Gefahr. Hört man oft laute Musik, so kann das ebenso wie Lärm bei der Arbeit zu Hörschäden führen.
Vielleicht kann die Bedeutung des Gehörs nur ermessen, wer eine intakte Hörfunktion besessen und sie wieder verloren hat. Während beispielsweise das Schließen der Augen oder die Dunkelheit uns das Einfühlen in die Situation des Blinden ermöglichen, stehen uns keine Alltagserfahrungen zur Verfügung, die Schwerhörigkeit oder Taubheit simulieren.
Technisch ist das Gehör mit seinem enormen Dynamikumfang und seinen schnellen Analysefähigkeiten kaum nachzubilden.
Die Vorlesung gibt mit Experimenten und Hörbeispielen einen Einblick in den Aufbau und die Funktion des normalen Gehörs. Dabei ist das Mitmachen der Zuhörer erwünscht. Es werden die Auswirkungen von Schädigungen der Hörfähigkeit, wie sie zum Beispiel durch Lärm verursacht werden, demonstriert. So wird zum Beispiel die Bewegung der winzig kleinen Haarzellen im inneren des Ohres gezeigt. Und es wird dargestellt, wie taube Menschen nach einer Operation mit Hilfe eines kleinen, hinter dem Ohr tragbaren Computers hören können. Dieses sogenannte Cochlear Implant eröffnet den tauben Menschen durch elektrische Reizung des Hörnerven den Weg in die hörende Welt. Mit dieser technischen Hilfe können Erwachsene ertaubte und hochgradig schwerhörige Patienten wieder telephonieren und taub geborene Kinder lernen Hören und Sprechen.





