Schwangerschaften bei heroinabhängigen Frauen nehmen in Deutschland kontinuierlich zu. Aufgrund der guten Aufnahme und Verteilung der Morphinderivate im fetalen Gewebe bekommen fast alle Kinder, die aus solchen Schwangerschaften geboren werden, auch bei mütterlicher Substitution mit Methadon nach der Geburt eine behandlungsbedürftige und lang andauernde Entzugssymptomatik. Neben den körperlichen Problemen und der medikamentösen Behandlung hat die psychosoziale Betreuung der Neugeborenen und ihrer Mütter eine wesentliche Bedeutung für das weitere Wohlergehen der Kinder. Insgesamt ist die Prognose für diese Kinder jedoch sehr schlecht. Eine Beziehungsaufnahme zwischen Mutter und Kind ist aufgrund der mütterlichen Drogenabhängigkeit kaum möglich. Ein Großteil der Kinder erleidet deshalb Verwahrlosung oder wird körperlich und seelisch misshandelt. Die neuromotorische Entwicklung dieser Kinder ist schlechter, verglichen mit Kindern aus unbelasteten Familien. Die Kinder haben ein hohes Risiko, im späteren Leben delinquent oder selbst drogenabhängig zu werden.
Das "Lübecker Modell" genannte Forschungsprojekt unserer Klinik erkennt mögliche Risikofaktoren für eine negative Entwicklung der Kinder bereits frühzeitig während des stationären Aufenthaltes und versucht, diesen aktiv entgegenzuwirken. Gleichzeitig wird die Mutter darin unterstützt, eine Beziehung zu ihrem Kind einzugehen und zu einer liebevollen und zuverlässigen Versorgung des Neugeborenen angeleitet. Im Rahmen des Lübecker Modells kommt es zu einer engen Zusammenarbeit zwischen innerklinischen (Medizin, Pflege und Sozialarbeit) und außerklinischen Institutionen (Jugendamt, Drogenhilfe, Familiengericht, Kinderarzt). Der Vortrag fasst die Ergebnisse des Forschungsprojektes zusammen und beschreibt Perspektiven für die langfristige Verbesserung der Prognose dieser Kinder aus drogenbelasteten Familien.





