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Infomationen: Neues aus der Kardiologie am Universitätsklinikum Ulm     Zur vorherigen Veranstaltung _ 
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Schlaglichter in Forschung und Krankenversorgung: Scharfer Blick ins Herz mit der Magnetresonanztomographie, Neue Erkenntnisse über Arteriosklerose, Arteriosklerose und Diabetes, Erfahrung mit medikament-freisetzenden Stents
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Scharfer Blick tief ins Herz

Ulmer Kardiologen können Schädigungen und Fehlfunktionen des Herzens mit Hilfe der Magnetresonanztomographie in hoher Auflösung dreidimensional sichtbar machen

Fließt genug Blut durch die linke Herzklappe? Wie viel Gewebe des Herzmuskels ist nach dem Herzinfarkt geschädigt? Funktionieren die künstlichen Herzklappen richtig? Wie groß ist die Gefahr eines wandernden Blutgerinnsels? Bedroht ein Tumor des Herzens oder der Lunge die Funktion des Herzens?

All diese Fragen können neben den bislang eingesetzten bildgebenden Techniken wie Echokardiographie oder Herzkatheter mit der sogenannten kardiovaskulären Magnetresonanztomographie noch besser beantwortet werden. "Das Verfahren liefert dreidimensionale Bilder in hoher Auflösung, die Aussehen und Funktion der einzelnen Teile des Herzens wie Blutgefäße, Muskelfasern und Herzklappen sehr genau darstellen", erklärt Prof. Dr. Vinzenz Hombach, der Ärztliche Direktor der Klinik für Innere Medizin II. Die Ulmer Kardiologen nutzen die Möglichkeiten der MRT-Bilder, um mehr über Herz-Kreislauf-Erkrankungen heraus zu finden - sie sind in den industrialisierten Ländern der Welt mit 50% die häufigste Todesursache.

Diagnose und Therapie der häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelerkrankungen und Herzinfarkt lassen sich mit Hilfe der genaueren Bildgebung verbessern. Hombachs Team hat beispielsweise in einer großen Studie Patienten nach einem Herzinfarkt nachbeobachtet. Die MRT-Bilder halfen, genau zu überprüfen, wie viel Herzmuskulatur nach einem Herzinfarkt nach schneller mechanischer Rekanalisation durch Ballonkatheter und Stentimplantation geschädigt war und welche spezifischen Faktoren die weitere Prognose der Patienten bestimmen. "Den Herzmuskel konnte man bisher nicht besonders gut darstellen, mit der MRT lassen sich mögliche Schädigungen nach Infarkten sehr viel besser erkennen", erklärt Hombach. Auch für andere Herzerkrankungen wie Herzmuskelentzündung, Herzklappenerkrankungen, angeborene Herzfehler oder bösartige Herztumore können Schweregrad und Komplikationen meist extrem präzise abgebildet werden, so dass die Kardio-MRT in der Ulmer Kardiologie mittlerweile unverzichtbar geworden ist und fest in das Stufenverfahren der Diagnosesicherung eingebaut ist.

Für die Patienten ist besonders wichtig, dass das Verfahren ohne Strahlenbelastung funktioniert, auch die zum Teil eingesetzten Kontrastmittel sind sehr gut verträglich. Die Kardiologie des Universitätsklinikums Ulm verfügt als einzige in Baden-Württemberg über zwei eigene Kardio-MRT-Geräte mit jeweils 1,5 und 3,0 Tesla Leistung für die Forschung und Versorgung von PatientInnen mit Herz- und Kreislauferkrankungen. Das leistungsstärkere 3.0 Tesla-Gerät, das mittlerweile in Betrieb genommen wurde, wird im Rahmen eines eigenen Workshops am Montag, den 02. April 2007 ab 16:00 Uhr feierlich "eingeweiht". Über die sich rasch entwickelnde Technologie wollen Prof. Hombach und sein Kollege Prof. Dr. Volker Rasche dann auch die winzigen Herzkranzgefäße und die Wände von Blutgefäßen noch genauer untersuchen können.

Und so funktioniert die Magnetresonanztherapie:
Der Patient wird in eine Röhre mit einem starken Magnetfeld gelegt. Das Magnetfeld richtet in seinem Einflussbereich alle Wasserstoffkerne (Protonen) des Körpers nach einer Richtung aus, worauf durch Einschalten eines starken elektrischen Gradienten die Richtung der Protonen umgekipppt wird. Nach Abschalten des Gradienten kehren die Protonen wieder in ihre Ausgangslage zurück (Relaxation), wobei sie Signale abgeben, die zum Bildaufbau benutzt werden. Die unterschiedliche Protonenzusammensetzung der einzelnen Gewebe und deren Relaxationsverhalten ergibt unterschiedliche Dichtewerte bzw. Kontraste, aus denen durch ein ausgetüfteltes Verfahren das anatomische Bild der dargestellten Körperregion rekonstruiert werden kann. Im Gegensatz zur Röntgenbildgebung lassen sich so vor allem weiche Gewebe wie Muskeln oder Blutgefäße und deren Veränderungen besonders gut darstellen.

(Prof. Dr. Vinzenz Hombach, Ärztlicher Direktor der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin II)

Stau auf der Blut-Autobahn: Arteriosklerose

Ulmer Kardiologen untersuchen die Ursachen der sogenannten "Gefäßverkalkung". Ihre Erkenntnisse sollen helfen, neue Medikamente gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln.

Der Volksmund nennt es schlicht Verkalkung, der Mediziner spricht von Arteriosklerose: Ein entzündlicher Prozess, bei dem sich an den Wänden der Blutgefäße Ablagerungen, Löcher oder Verschlüsse bilden. " Das Blut kann nicht mehr frei durch die Arterien fließen, sie können sogar ganz verstopfen und z.B. das Herz von einer ausreichenden Blut- und damit Sauerstoffversorgung abschneiden - dann spricht man von einem Herzinfarkt", erklärt der Ulmer Kardiologe Prof. Dr. Jan Torzewski. In Deutschland erleiden jährlich ½ Million Menschen einen Herzinfarkt.
Torzewski, Leitender Oberarzt und Junior-Professor an der Klinik für Innere Medizin II, will den Ursachen der Volkskrankheit auf den Grund gehen. Hoher Blutdruck, erhöhte Cholesterinwerte, bestimmte Formen von Diabetes, Rauchen und erbliche Vorbelastung sind als Mitverursacher der sogenannten Gefäßverkalkung schon lange im Visier der Mediziner. Torzewski folgt einer andere Spur: Er untersucht einen bestimmten Eiweißstoff, der sich bei Arteriosklerose-Patienten vermehrt in den betroffenen Gefäßwänden und auch im Blut findet. Dieser Eiweißstoff trägt den Namen CRP, das steht für C-reaktives Protein. "Einiges spricht dafür, dass dieser Stoff für die Entstehung der Arteriosklerose mit verantwortlich sein könnte", sagt Torzewski.
Prof. Dr. Jan Torzewski arbeitet innerhalb eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Sonderforschungsbereiches am Universitätsklinikum Ulm eng mit Chemikern, Pharmakologen, Mikrobiologen und anderen Forschern zusammen. Koordinator des Bereiches ist Prof. Dr. Vinzenz Hombach, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin II. Maßgeblich ist für Torzewskis Forschung auch die Kooperation mit Prof. Dr. Gerd Ulrich Nienhaus vom Institut für Biophysik der Universität Ulm.
Die Forschung von Torzewskis Arbeitsgruppe über die Bildung des Eiweißstoffes CRP und sein Zusammenwirken mit den Körperzellen sind so viel versprechend, dass einige Pharmafirmen sie nun als Basis für die Entwicklung eines neuen Medikamentes nutzen wollen. Ziel eines solches Medikaments ist, den entzündlichen Prozess der Arteriosklerose zu stoppen - bisher gibt es noch kein Medikament, das Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Entzündungshemmung spezifisch begegnet. Ein möglicher Ansatz ist, die Produktion des Eiweißstoffes CRP in der Leber zu hemmen, ein anderer, den Transport und die Wirkung im Körper zu verhindern.

(Prof. Dr. Jan Torzewski, Leitender Oberarzt an der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin II)

Schutz vor Begleiterkrankungen der Diabetes

Bestimmte Medikamente, die bei Diabetikern den Zuckerspiegel im Blut senken, beschützen gleichzeitig die Arterien vor der sogenannten Gefäßverkalkung, das fanden Ulmer Forscher heraus.

Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 nehmen Medikamente, um ihren Blutzuckerspiegel zu senken, weil die natürliche Regulierung nicht funktioniert. Eine Gruppe von Wirkstoffen, die sich in diesen Medikamenten befindet, hat aber noch eine weitere ganz wichtige Funktion - das haben Kardiologen des Ulmer Universitätsklinikums heraus gefunden: Diese Wirkstoffe haben schützende Wirkung auf eine häufige Begleiterkrankung des Diabetes mellitus,  die sogenannte Gefäßverkalkung.

Die medizinische Bezeichnung dieser Erkrankung ist Arteriosklerose: Dabei bilden sich in einem entzündlichen Prozess an den Wänden der Blutgefäße Ablagerungen, Verengungen oder Verschlüsse, die den Blutstrom hemmen und zum Beispiel zu Herzinfarkten führen können. Prof. Dr. Nikolaus Marx, Oberarzt in der Inneren Medizin II am Universitätsklinikum Ulm, hat festgestellt, dass bestimmte Diabetes-Medikamente, sogenannte Thiazolidindione (Glitazone), die Entzündungsprozesse an den Gefäßwänden bremsen können.

In einer Patienten-Studie konnte Marx auch zeigen, dass die betreffenden Wirkstoffe helfen können, zu verhindern, dass die Ablagerungen in der Gefäßwand brüchig werden- das ist wichtig, denn solche losgerissenen Ablagerungen könnten die Arterie an einer anderen Stelle verstopfen und so zum Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Die Erkenntnisse des Ulmer Kardiologen zeigen, dass bestimmte Diabetes-Medikamente wohl mehr Wirkungen haben als man bisher wusste; weitere große klinische Studien sollen seine Erkenntnisse vertiefen.

In Deutschland leiden über 6 Millionen Menschen an Diabetes mellitus Typ 2, bei ihnen sind die Produktion und die Aufnahme des für den Abbau von Kohlehydraten wichtigen Insulins gestört. 70 Prozent der Menschen, die unter diesem Diabetes-Typ leiden, erkranken auch an Arteriosklerose und sind damit hoch gefährdet, beispielsweise einen Herzinfarkt zu bekommen.

(Prof. Dr. Nikolaus Marx, Oberarzt an der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin II)

Prothese und Pille in einem - "Stents" halten Herzkranzgefäße offen, mechanisch und durch die Abgabe von Medikamenten

Durch den zielgenauen Einsatz der unterschiedlichen röhrenförmigen Gefäßstützen können Ulmer Kardiologen Verengungen im Herzkranzgefäß optimal behandeln

Das Prinzip klingt einfach und genial: Ist ein Blutgefäß verstopft, schiebt man eine Stütze hinein, die das Gefäß für den lebenswichtigen Blutdurchfluss offenhält. Mediziner nennen diese Stütze "Stent". Besonders häufig werden Stents in verengte Herzkranzgefäße eingesetzt, um die Blutversorgung des Herzens zu gewährleisten - zum Beispiel bei einem Herzinfarkt. Das geniale Prinzip hat jedoch ein Problem: Im Bereich des stützenden Stents herum bilden sich im Rahmen der Einheilung in etwa 30 Prozent der Fälle erneut Verengungen in den Arterien. Verhindern soll das eine neue Generation von Stents, die Medikamente abgibt.

Es gibt zwei Wirkmechanismen für die von den Stents freigesetzten Medikamente: Sie wirken entzündungshemmend oder sie bremsen das Gewebewachstum. Je nachdem, welche Grunderkrankung ein Patient hat und welche Nebenleiden bestehen, wählen die Ulmer Kardiologen die wirksamste Therapie aus. Mit Hilfe eines detaillierten Dokumentationssystems präzisieren und verfeinern sie Diagnosen und Therapien. Bei normalen Stents bildeten sich in etwa 30 Prozent der Fälle neue Verengungen, von denen wiederum die Hälfte in einem erneuten Eingriff erweitert werden musste. Dank des passgenauen Einsatzes medikamenten-freisetzenden Stents bilden sich nur noch in etwa 15 Prozent neue Verengungen, von denen wiederum nur die Hälfte eine erneute Behandlung verlangt.

Die Kardiologie der Ulmer Universitätsklinik ist renommierte Anlaufstelle für Patienten mit komplizierten Erkrankungen in den Herzkranzgefäßen. "Viele Patienten wenden sich auch direkt an uns, um vor einer geplanten Bypassoperation am Herzen eine zweite Meinung zu erhalten, erklärt PD Dr. Jochen Wöhrle, Leiter der Herzkatheterlabore. "Mit den an der Universitätsklinik Ulm vorhandenen Techniken können wir dann oft die Herzoperation vermeiden und die betreffenden Stellen komplett durch die weniger invasive Herzkathetertechnik behandeln", so Wöhrle weiter. Die Kardiologie gehört zur Universitätsklinik für Innere Medizin II und steht unter der Leitung von Prof. Dr. Vinzenz Hombach.

(PD Dr. Jochen Wöhrle, Oberarzt und Leiter der Herzkatheterlabore an der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin II )

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