10.00 - 10.10 Uhr: Begrüßung
Prof. Dr. H. Schunkert - Medizinische Klinik II
10.10 - 10.30 Uhr: Das Herz in der Medizin- und Kulturgeschichte
Prof. Dr. D. von Engelhardt - Institut für Medizin- und Wissenschaftsgeschichte
weitere Informationen
10.30 - 10.50 Uhr: Herzinfarkt und KHK - von der familiären Vorgeschichte zur Analyse des Erbguts
PD Dr. J. Erdmann - Medizinische Klinik II
weitere Informationen
10.50 - 11.10 Uhr: Strategien gegen den Herzinfarkt - Risikoerkennung und Risikovermeidung
Dr. B. Mayer - Medizinische Klinik II
weitere Informationen
11.10 - 11.30 Uhr: Schnelle und richtige Infarktbehandlung rettet Menschenleben!
Prof. Dr. H. Schunkert - Medizinische Klinik II
weitere Informationen
11.30 - 11.50 Uhr: Was passiert bei einer modernen Herzoperation? Minimal invasive Verfahren in der Myokardrevaskularisation
Dr. E. Kraatz - Klinik für Herzchirurgie
weitere Informationen
11.50 - 12.10 Uhr: Behandlung von Engstellen an den Herzkranzgefäßen- machen moderne Stents die Bypass-Operation überflüssig?
PD Dr. F. Hartmann - Medizinische Klinik II
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12.20 - 13.20 Uhr: Musikalische Pause
mit Scotty Williams
13.30 - 13.50 Uhr: Der Blick ins Herz - moderne Echokardiographie und Schnittbilddiagnostik
PD Dr. P. Radke - Medizinische Klinik II
weitere Informationen
13.50 - 14.10 Uhr: Herzklappenersatz heute - Rekonstruktive Verfahren in der Klappenchirurgie
PD Dr. Dr. M. Misfeld - Klinik für Herzchirurgie
weitere Informationen
14.10 - 14.30 Uhr: Medikamentöse Behandlung der Herzschwäche
PD Dr. J. Weil - Medizinische Klinik II
weitere Informationen
14.30 - 14.50 Uhr: Aktuelles aus der Herzchirurgischen Forschung in Lübeck - Stammzellen, Tissue Engineering und das biomechanische Herz
Prof. Dr. N. Guldner - Klinik für Herzchirurgie
weitere Informationen
14.50 - 15.10 Uhr: Moderne Schrittmacher- und Defibrillatortherapie
Prof. Dr. U. Wiegand - Medizinische Klinik II
weitere Informationen
15.10 - 15.30 Uhr: Wenn das Herz aus dem Takt gerät - Behandlungsmöglichkeiten bei Vorhofflimmern
PD Dr. F. Bode - Medizinische Klinik II
weitere Informationen
15.30 - 15.50 Uhr: Schlagen Frauenherzen anders?
Dr. M. Müller-Bardorff - Medizinische Klinik II
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16.00 - 17.00 Uhr: Musikalischer Ausklang
mit Scotty Williams
Das Herz in der Medizin- und Kulturgeschichte
Prof. Dr. D. v. Engelhardt, Institut für Medizin- und Wissenschaftsgeschichte
Das Herz ist in seiner körperlich-seelischen, sozial-geistigen Vielfalt durchgängig ein Thema seit der Antike, während des Mittelalters und der Neuzeit bis in die Gegenwart. In den zahlreichen Beiträgen der Naturwissenschaften und Medizin, Künste, Philosophie und Theologie wie ebenfalls in der Umgangsprache wurde dieses zentrale Organ immer wieder aufgegriffen. Praktische und konzeptionelle Innovationen auf den Gebieten der Diagnostik, Ätiologie und Therapie sowie Veränderungen in der Subjektivität des Herzkranken, in den sozialen Reaktionen sowie in den geisteswissenschaftlichen und künstlerischen Interpretationen entfalten ein stimulierendes Spektrum zwischen Phänomen und Symbolik, anregend für Patienten, Ärzte und das soziale Umfeld.
Herzinfarkt und KHK - von der familiären Vorgeschichte zur Analyse des Erbguts
PD Dr. J. Erdmann - Medizinische Klinik II
Aufgrund der Häufigkeit des Herzinfarktes und der koronaren Herzkrankheit (KHK) lässt sich in den Gesprächen zwischen Arzt und Patient oft ein familiäres Auftreten der Erkrankungen feststellen. Für die weitere Risikostratifizierung ist es hierbei entscheidend, zwischen sporadischen Fällen und solchen mit "echter" familiärer Häufung zu unterscheiden.
Von einer Erkrankung mit familiärer Grundlage wird dann ausgegangen, wenn mindestens ein männlicher Verwandter 1. Grades vor dem 55. oder eine weibliche Verwandte 1. Grades vor dem 65. Lebensjahr einen Herzinfarkt erlitten hat oder eine KHK diagnostiziert wurde.
Beim Herzinfarkt und der KHK geht man davon aus, dass mehrere genetische Faktoren im Zusammenspiel mit Umweltfaktoren (Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht, erhöhte Lipide) in einem schleichenden Prozess zur Ausprägung der Erkrankung führen.
Damit handelt es sich beim Herzinfarkt um eine sog. komplexe Erkrankung. Der Effekt einer einzelnen Variante ist in der Regel gering. Dieses zieht enorme Schwierigkeiten für die Identifikation und klinische Gewichtung möglicher Gendefekte oder Genvarianten nach sich. Zum einen müssen die Analysen in enorm großen Kollektiven durchgeführt werden, um auch Varianten identifizieren zu können, die den Herzinfarkt oder die KHK nur in geringem Maße beeinflussen. Außerdem erschweren individuell unterschiedliche zusätzliche Risikofaktoren von Proband zu Proband die Auswertung.
Der aktuelle wissenschaftliche Kenntnisstand erlaubt noch keinen routinemäßigen Einsatz von genetischen Testverfahren zur Risikoermittlung. Derartige, vor Jahren als visionär eingestufte Testverfahren, erscheinen jedoch, eine weiterhin rasant fortschreitende Entwicklung der molekulargenetischen Technik vorausgesetzt, für die mittelfristige Zukunft greifbar.
Strategien gegen den Herzinfarkt - Risikoerkennung und Risikovermeidung
Dr. B. Mayer - Medizinische Klinik II
Die individuelle Neigung zum Herzinfarkt wird entscheidend von den Gefäß-Risikofaktoren bestimmt. Diese sind Fettstoffwechselstörungen (Hyperlipidämie), Bluthochdruck (arterieller Hypertonus), Rauchgewohnheiten (Nikotinabusus), Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und erbliche Faktoren (familiäre Disposition). Der Vortrag gibt einen Überblick über die Bedeutung der Gefäßrisikofaktoren und deren Erkennung. Ferner werden Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt und deren Bedeutung im Hinblick auf eine Vermeidung von Herzinfarkten dargestellt.
Schnelle und richtige Infarktbehandlung rettet Menschenleben!
Prof. Dr. H. Schunkert - Medizinische Klinik II
Der Herzinfarkt kommt plötzlich und trifft seine Opfer völlig unvorbereitet. Trotzdem zählt jede Minute und rasches Handeln tut Not, um Schaden vom Herzen abzuwenden. Leider ereignet sich ein Herzinfarkt in der Regel zu Hause oder bei der Arbeit, jedenfalls gerade dann, wenn man am wenigsten damit rechnet. So vergeht auch die meiste Zeit bis zur Wiedereröffnung des Herzkranzgefäßes zu Hause, wo sich die Betroffenen Fragen stellen, was Ursache für den plötzlichen Druck in der Brust, die ausstrahlenden Schmerzen in den Armen oder im Kiefer, die Schwäche oder den Schweißausbruch ist. All dies können die Beschwerden eines Herzinfarktes sein, die somit eine sofortige Verständigung des Notarztes nach sich ziehen sollen. Der Notarzt kann dann den sicheren Transport ins Krankenhaus gewährleisten, wo auf schnellstmöglichem Wege im Herzkatheterlabor die verstopfte Ader aufgesucht und mittels Ballonkatheter wieder eröffnet wird. Den Ärzten gelingt es in aller Regel 90 Minuten nach Eintreffen im Krankenhaus, das verstopfte Herzkranzgefäß wieder mit Blut zu versorgen. Dort kann auch mit ausreichender Sicherheit der Herzrhythmus überwacht und der Kreislauf stabilisiert werden. Während diese medizinischen Vorkehrungen heutzutage eine wichtige Routine darstellen, stellt sich dem Patienten und seinen Ratgebern die viel schwierigere Frage: Handelt es sich bei den Beschwerden um einen Herzinfarkt? Macht es Sinn zu warten oder ist es besser, gleich den Notarzt zu verständigen? Die richtige Antwort lautet, bei plötzlichen Herzbeschwerden jedenfalls: nicht hinlegen und hoffen, dass die Probleme von alleine verschwinden, sondern lieber einmal mehr als einmal zu wenig den Notarzt verständigen, um Sicherheit für das zukünftige Leben in der schnellen Behandlung des Herzinfarktes zu suchen.
Was passiert bei einer modernen Herzoperation? Minimal invasive Verfahren in der Myokardrevaskularisation
Dr. E. Kraatz - Klinik für Herzchirurgie
Was passiert bei einer modernen Herzoperation?
Seit mehr als 30 Jahren stellt die konventionelle Bypasschirurgie unter Einsatz der Herzlungenmaschine, mit einem Zugang zum Herzen unter Eröffnung des Brustbeines den "Goldenen Standard" der Behandlung der koronaren Herzkrankheit dar. Diese Operation ist seit Jahren die weltweit am häufigsten durchgeführte Operation, mit niedrigen Komplikationsraten und exzellenten Langzeitergebnissen. Sie wurde immer weiter standardisiert und perfektioniert. Zudem sind die Ergebnisse wissenschaftlich fundiert nachuntersucht worden. Der Vortrag gibt einen aktuellen Überblick über die moderne Bypasschirurgie mit der Herzlungenmaschine und die sich ständig erweiternden herzchirurgischen Möglichkeiten.
Minimal invasive Verfahren in der Myokardrevaskularisation
Seit über zehn Jahren hält der Trend zu minimal invasiven chirurgischen Verfahren in der Herzchirurgie an. Medizinische und technische Innovationen machen es möglich, am schlagenden Herzen Bypassoperationen durchzuführen. Die Inzisionen und der Zugangsweg zum Herzen werden bei diesem Verfahren zusätzlich minimiert. OP-Roboter ermöglichen in experimentellen und ersten klinischen Einsätzen weitere Modifikationen der OP-Technik. Die Innovationen werden mit großem Einsatz vorangetrieben. Die bundesweite Rate der minimal invasiven Bypasschirurgie ist seit mehreren Jahren mit 3-5 % der Eingriffe konstant. Möglichkeiten und Limitationen der minimal invasiven Herzchirurgie werden dargestellt.
Behandlung von Engstellen an den Herzkranzgefäßen- machen moderne Stents die Bypass-Operation überflüssig?
PD Dr. F. Hartmann - Medizinische Klinik II
Zur Behandlung der koronaren Herzkrankheit stehen mehrere Behandlungsoptionen zur Verfügung. Die meisten Patienten erhalten zunächst Medikamente. Wurden mittels einer Herzkatheteruntersuchung Engstellen der Herzkranzgefäße als Folge der koronaren Herzerkrankung nachgewiesen, reicht dies zumeist nicht aus. Mit der aortokoronaren Bypass-Operation und der so genannten Ballon-Angioplastie (PTCA) mit Einsatz einer Gefäßstütze (medizinisch: Stent) stehen zwei wirkungsvolle Methoden, um die Verengung eines oder mehrerer Gefäßes zu behandeln, zur Verfügung. Ein Stent ist ein feines, dehnbares, röhrenförmiges Metallgeflecht, das in die verengte Stelle des Gefäßes eingesetzt wird. Während des Eingriffs wird das Gefäß mit Hilfe eines Ballon-Katheters aufgedehnt, so dass die Verengung durch Plaques beseitigt wird. In manchen Fällen reicht dieser Eingriff - die so genannte Ballon-Angioplastie - bereits aus, um die Blutversorgung des Herzens zu verbessern. Den besseren Schutz bietet jedoch ein Stent, weil er die Gefäße an der betroffenen Stelle stabilisiert und das Risiko eines akuten Verschlusses reduziert. Inzwischen gibt es 2 Arten von Stents, die einen bedeutenden Unterschied aufweisen:
Unbeschichtete, so genannte Bare Metal Stents sind seit mehr als 10 Jahren im Einsatz, haben jedoch den Nachteil, dass bei bis zu einem Drittel der Patienten so genannte Restenosen auftreten, d.h. die Gefäße verengen sich nach dem Eingriff erneut. Ursache dafür ist der natürliche Wundheilungsprozess, bei dem sich neues Gewebe bildet. Wenn das Gewebe zu stark in das Gefäß hineinwächst, ist ein erneuter Eingriff unumgänglich. Deshalb wurden in den letzten Jahren die Medikamenten-freisetzende Stents entwickelt, welche aus einer speziellen Beschichtung Medikamente freisetzen, die einer übermäßigen Gewebewucherung und somit der Wiederverengung der Gefäße und damit belastenden Folgeoperationen besser vorbeugen. Nachteil dieser Stents ist, dass deutlich länger (bis 12 Monate) eine Kombination aus gerinnungshemmenden Medikamenten eingenommen werden muss, da die Einheilung dieser Stents verzögert ist.
Bei der Bypassoperation werden die eingeengten Herzkranzgefäßabschnitte durch körpereigene Ersatzadern überbrückt. Zu diesem Zweck werden verzichtbare Adern (Venen) eingesetzt, die aus dem Bein (Ober- und ggf. auch Unterschenkel) entnommen werden oder eine Schlagader (Brustwand Schlagader = Arteria mammaria interna), die von der Rückseite der Brustwand losgelöst wird. Obwohl es sich hierbei um eine große und technisch aufwendige Operation handelt, stehen die meisten operierten Patienten bereits am Tag nach der Operation zum ersten mal aus dem Bett auf. Häufig werden sie schon nach einer Woche zur Nachbehandlung in die Rehabilitationsklinik entlassen. Insgesamt birgt diese Operation heute nur noch ein geringes Risiko. In der Regel verlaufen weit über 90% aller Bypassoperationen mit dem gewünschten Erfolg. Der Vortrag wird zu der Frage Stellung nehmen, nach welchen Kriterien die Entscheidung für eine der beiden Methoden getroffen wird und aktuelle Informationen zu den modernen Medikamentenstents liefern.
Der Blick ins Herz - moderne Echokardiographie und Schnittbilddiagnostik
PD Dr. P. Radke - Medizinische Klinik II
Die Universitätsklinik Lübeck kann ihren Patienten die modernsten und schonendsten Verfahren zur Darstellung des Herzens und seiner Gefäße anbieten. Dies sind einerseits alle Verfahren zur Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie). Mit der Echokardiographie können Form und Funktion des Herzens sowie der Herzklappen mit hoher Präzision erfasst werden. Hierbei helfen auch modernste Verfahren, wie zum Beispiel die 3-dimensionale (3D) Echokardiographie.
Weiterhin können wir unseren Patienten in Kooperation mit der Klinik für Radiologie die Computer-Tomographie des Herzens (Herz CT) sowie die Magnetresonanz-Tomographie (Herz MRT) anbieten. Mit der Herz CT können bei geeigneten Patienten auch ohne Herzkatheteruntersuchung ("nicht-invasiv") Engstellen an den Herzkranzarterien erkannt oder ausgeschlossen werden können. Dieses Verfahren ist aber auch sinnvoll, wenn Erkrankungen der Hauptschlagader (z.B. krankhafte Erweiterung) oder der Lungenarterien (z.B. bei Lungenembolie) vorliegen. Ist der Verdacht für das Vorliegen von Engstellen der Herzkranzgefäße jedoch hoch oder liegen akute Beschwerden vor, so ist die Herzkatheteruntersuchung besser, da die Engstellen dann gleich behandelt werden können.
Ein weiteres sehr modernes Verfahren ist die Magnetresonanz- Tomographie (MRT) des Herzens. Mit diesem Verfahren können Leistungsfähigkeit, Durchblutungsstörungen und auch eventuelles Narbengewebe des Herzens in einer einzigen Untersuchung dargestellt werden. Für dieses Verfahren, mit dem mittlerweile sehr viel Erfahrung an der Uniklinik Lübeck vorliegt, sind in den letzten Wochen die europaweit modernsten Geräte in Betrieb genommen worden. Ein ganz besonderer Vorteil der MRT liegt darin, dass keine Röntgenstrahlung benötigt wird, und dass seitens der verwendeten Kontrastmittels keine Schädigung der Nierenfunktion erwartet werden muss.
Herzklappenersatz heute - Rekonstruktive Verfahren in der Klappenchirurgie
PD Dr. Dr. M. Misfeld - Klinik für Herzchirurgie
Herzklappenerkrankungen
Grundformen einer Herzklappenerkrankung sind die Klappenstenose und die Klappenregurgitation oder -insuffizienz. Bei einer Stenose kommt es zu einer Verkleinerung der Öffnungsfläche einer Herzklappe. Bei einer Regurgitation oder Insuffizienz gewährleistet die Herzklappe keinen vollständigen Klappenschluss, sodass Blut durch die schlussunfähige Klappe in die davor geschaltete Herzhöhle zurückfließt. Häufig liegen Mischbilder beider Erkrankungsformen vor.
Herzklappenersatz
Menschliche Herzklappen können durch mechanische oder biologische Herzklappen ersetzt werden. Beide Klappentypen haben Vor- und Nachteile bezüglich ihrer Funktionsdauer und der Notwendigkeit, insbesondere Blut verdünnende Medikamente einzunehmen. Aus diesen Gründen ist das erste Ziel einer Herzklappenoperation immer der Erhalt der patienteneigenen Klappe durch eine Klappenrekonstruktion.
Herzklappenrekonstruktion
In aller Regel lassen sich stenosierte Herzklappen nicht rekonstruieren, da meist ausgedehnte Verkalkungsprozesse dieser Klappenerkrankung zugrunde liegen. Klappeninsuffizienzen bieten dagegen sehr häufig die Möglichkeit, durch spezielle Operationstechniken die patienteneigenen Herzklappen in ihrer Funktion dauerhaft wieder herzustellen.
Die Klinik für Herzchirurgie des UK-SH, Campus Lübeck ist auf spezielle Rekonstruktionsverfahren in der Herzklappenchirurgie spezialisiert. Diese Operationsverfahren werden auch in der sog. "minimal-invasiven" Technik (kleinerer operativer Zugang) durchgeführt.
Medikamentöse Behandlung der Herzschwäche
PD Dr. J. Weil - Medizinische Klinik II
Zur Behandlung der Herzschwäche stehen eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung. Dazu gehört eine gesunde Lebensführung, wobei die regelmäßige Gewichtskontrolle und eine ausgewogene Ernährung, zusammen mit einer an die körperliche Leistungsfähigkeit angepassten regelmäßigen Bewegung einen wichtigen Stellenwert haben.
Die medikamentöse Therapie stellt den Hauptpfeiler der Behandlung dar. Nur so kann ein Fortschreiten der Herzschwäche verhindern oder verlangsamt werden. Bei der Behandlung einer Herzschwäche benötigen die meisten Patienten eine Kombination aus mehreren Wirkstoffen. Prinzipiell unterscheidet man vier Gruppen von wirksamen Medikamenten, deren therapeutischer Nutzen in einer Vielzahl von großen klinischen Studien inzwischen gut belegt ist.
ACE-Hemmer
Hemmstoffe des Angiotensin-Converting-Enzyms greifen in den Hormonhaushalt der Nebenniere ein und verringern die Anspannung der Gefäßmuskulatur. So nimmt der Druck in den Blutgefäßen ab, der Blutdruck sinkt und das Herz wird entlastet. Auch die Luftnot wird geringer. Diese Stoffgruppe ist für jedes Stadium einer Herzschwäche geeignet. Die so genannten AT-1-Antagonisten wirken ähnlich wie die ACE-Hemmer. Sie kommen derzeit zum Einsatz, wenn eine Unverträglichkeit gegen ACE-Hemmer vorliegt.
Beta-Blocker
Diese Medikamente bewirken eine verminderte Wirkung von Stresshormonen. So wird der Herzschlag langsamer und die Pumpfunktion verbessert. Das Herz arbeitet effektiver. Die Beta-Blocker sollten zunächst in niedriger Dosierung eingenommen werden, die Dosis wird dann langsam gesteigert. Als Zieldosis gelten dann jedoch hohe Dosierungen, da diese in Studien die besten Ergebnisse erbrachten.
Diuretika
Viele der Betroffenen leiden an Flüssigkeitsansammlungen in den Beinen, aber auch in der Lunge, wobei letzteres für die belastungsabhängige Luftnot verantwortlich sein kann. Hier helfen entwässernde Mittel (Diuretika). Diuretika bewirken eine vermehrte Flüssigkeitsausscheidung über die Nieren. Dies kann zu einer nachweisbaren Gewichtsabnahme führen.
Herzglykoside
Digitalis ist eines der ältesten Herzmittel überhaupt. Gewonnen wurde es aus dem Fingerhut. Früher war es das Standardmittel zur Therapie der Herzschwäche. Ob es sinnvoll ist, Digitalis bei einer Herzschwäche ohne Herzrhythmusstörungen einzusetzen, ist umstritten. Dennoch zeigte sich bei großen Untersuchungen, dass Patienten, die zusätzlich mit Digitalis behandelt wurden, seltener ins Krankenhaus eingewiesen werden mussten, als Patienten, die diese Präparate nicht erhielten. Allerdings kann es leicht zu einer lebensgefährlichen Überdosierung, die Dosierung muss daher genau eingehalten und Interaktionen mit anderen Arzneimitteln müssen beachtet werden.
Aktuelles aus der Herzchirurgischen Forschung in Lübeck - Stammzellen, Tissue Engineering und das biomechanische Herz
Prof. Dr. N. Guldner - Klinik für Herzchirurgie
Tissue Engineering
Biologische Herzklappen (Schweineklappen) bieten für Patienten den Vorteil einer "normalen Lebensführung" ohne blutverdünnende Medikamente (Marcumar), haben jedoch eine begrenzte Haltbarkeit von 10-15 Jahren und damit den Nachteil von wiederholten Klappenoperationen. Ein schützender Zellüberzug mit körpereigenen Zellen würde diese Klappen haltbarer machen und Reoperationen einsparen. Die Zellgewinnung könnte präoperativ aus Beinvenen und die Besiedlung im Bioreaktor erfolgen. Vielleicht könnten sich detoxifizierte Klappen im Blutstrom auch selbst besiedeln.
Stammzellen
Aus Drüsengewebe (Bauch- oder Ohrenspeicheldrüsen) von Patienten gelang es in Lübeck weltweit erstmalig Herzmuskelzellen herzustellen. Diese Quelle für Herzmuskelzellen könnte zukünftig für "Reparaturen am Herzen" klinische Bedeutung gewinnen.
Das Biomechanische Herz (BHM)
Das Biomechanische Herz ist ein "Zweitherz" aus Rückenmuskulatur, das im Patienten zusätzlich zum erkrankten Herzen 2-3 Liter Blut bei Bedarf pumpen soll. Der Pumpventrikel wird von einem Muskelschrittmacher angetrieben. Das BMH wird definitive, also über viele Jahre aktivierbare Blutpumpe entwickelt und ist als Ergänzung zur Herztransplantation zu sehen.
Moderne Schrittmacher- und Defibrillatortherapie
Prof. Dr. U. Wiegand - Medizinische Klinik II
Die Anforderungen an eine moderne Schrittmachertherapie heben sich klar von der ursprünglichen Kernfunktion des Herzschrittmachers, der Vermeidung eines zu langsamen Herzschlages, ab. Die heutige Technik versetzt den Arzt in der Lage, das Schrittmachersystem individuell auf die Belange des Patienten anzupassen und die Häufigkeit unnötiger Schrittmacherstimulation drastisch zu begrenzen. Weiterhin haben spezielle Schrittmachersysteme einen festen Stellenwert in der Behandlung lebensgefährlicher Kammerarrhythmien des Herzens sowie einer fortgeschrittenen Herzmuskelschwäche erlangt. Moderne Techniken zu Datenanalyse und -transfer erlauben zudem ein frühzeitiges Erkennen von technischen Problemen ebenso wie von gefährlichen Herzrhythmusstörungen und der Verschlechterung einer Herzschwäche. Der Vortrag soll dazu beitragen, Ihnen diese technischen Neuentwicklungen und deren Umsetzung in aktuelle medizinische Behandlungskonzepte näher zu bringen.
Wenn das Herz aus dem Takt gerät - Behandlungsmöglichkeiten bei Vorhofflimmern
PD Dr. F. Bode - Medizinische Klinik II
Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und führt bei vielen Patienten zu Beschwerden und einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität durch schnellen, unregelmäßigen Herzschlag. Die schwerste Komplikation ist der Schlaganfall aufgrund einer Gerinnselbildung im flimmernden Vorhof mit anschließender Gerinnselverschleppung in die Hirnstrombahn. Zur Wiederherstellung des normalen Sinusrhythmus stehen Medikamente und insbesondere die sehr effektive Elektroschocktherapie zur Verfügung. Meist kommt es in der Folgezeit jedoch zu erneuten Rezidiven von Vorhofflimmern. Dann muss individuell über das weitere Behandlungskonzept entschieden werden. Für einen großen Teil der Patienten mit Vorhofflimmern zeigen aktuelle Studienergebnisse keine Überlegenheit wiederholter Rhythmisierungsversuche gegenüber einer Therapie der reinen Herzfrequenznormalisierung unter Belassung des Vorhofflimmerns. Patienten mit starken Beschwerden durch anfallsweises Vorhofflimmern stehen nach intensiven Forschungsbemühungen der letzten Jahre jedoch neue Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die den normalen Rhythmus wiederherstellen oder erhalten können. Zum einen besteht die Möglichkeit, eine mitgeführte Bedarfsmedikation im Anfall einzunehmen (sog. "pill in the pocket"). Zum anderen wurden Verfahren zur Katheterverödung von Vorhofflimmern eingeführt, die einem Teil der Patienten eine Beschwerdebesserung oder sogar Heilung in Aussicht stellen.
Schlagen Frauenherzen anders?
Dr. M. Müller-Bardorff - Medizinische Klinik II
Die Tatsache, dass der Infarkttod die häufigste Todesursache von Frauen darstellt ist der weiblichen Öffentlichkeit nicht bewußt. So war dies 1990 nur 4% der Frauen, 2000 immerhin bereits 13% der Frauen bekannt. Diese Fehlinformation führt auch unter anderem zur diagnostischen Fehleinschätzung der behandelnden Ärzte und Ärztinnen.
Fakt ist, dass Frauen statistisch länger leben als Männer und der Herzinfarkt im Durchschnitt 10 Jahre später auftritt, da sie vor den Wechseljahren einen besonderen Schutz vor der Verkalkung der Herzkranzarterien genießen. Dieser Schutz kann aber leider nicht durch eine Hormonersatztherapie simuliert werden. Studien belegen eindrucksvoll, dass der Ersatz von Östrogenen und Progesteron sogar paradoxerweise zu einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko führt.
Alarmierend ist die Erkenntnis, dass Frauen mit Herzinfarkt in der Regel später als Männer in einer behandelnden Klinik eintreffen. Sie werden weniger häufig invasiv untersucht und behandelt und weisen eine höhere Sterblichkeit auf.
Mangeldurchblutung am Herzen verläuft bei Frauen häufig anders als bei Männern: Während Männer häufig lehrbuchkonform belastungsabhängige "typische" Beschwerden wie Engegefühl in der Brust oder Schmerzen im linken Arm beschreiben, finden sich bei Frauen häufig unspezifische Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch oder zwischen den Schulterblättern.
Auch ist die Diagnostik bei Frauen kompliziert: Ein Belastungs-EKG liefert zwar bei 72% der Männer aber nur bei ca. 46% der Frauen ein zuverlässiges Ergebnis, ob die Kranzgefäße verengt sind oder nicht.
Die Wirksamkeit der modernen Therapien ist überwiegend nur für Männer getestet, da Frauen in den kardiologischen Megastudien bekanntermaßen unterrepräsentiert sind.
Die Frage, ob Frauen ein anderes Krankheitsprofil, eine andere Prädisposition oder Pathophysiologie bei Herzerkrankungen aufweisen als Männer, beschäftigt zunehmend sowohl europäische als auch angloamerikanische kardiologische Gesellschaften. In den USA haben die frauenspezifischen Besonderheiten bei der koronaren Herzerkrankung bereits zur Entwicklung eigener Behandlungsleitlinien für Frauen geführt. Die deutsche Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung gründete eine eigene Arbeitsgruppe "Kardiovaskuläre Erkrankungen bei Frauen". Der Vortrag gibt einen Einblick in die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Entstehung, Diagnostik und Therapie von Herzkreislauferkrankungen.





